Zahngesundheit beim Pferd

Als Pflanzenfresser hat das Pferd Zähne, die einem ständigen massiven Mahlvorgang von eher hartem Futter ausgesetzt sind. Um diese Abnutzung auszugleichen, werden sie zeitlebens weiter aus dem Kiefer in Richtung Mahlfläche vorgeschoben.

Da die Oberkieferzahnreihen weiter auseinanderstehen als die des Unterkiefers, bleiben vor allem an der Aussenkante der Oberkieferbackenzähne und an der Innenkante der Unterkieferbackenzähne sogenannte Haken stehen, die das Pferd beim Kauen aber auch beim Reiten stören und ggf. sogar die Schleimhaut verletzen können.

Durch Fehlstellungen oder Verlust einzelner Zähne können sich die Mahlflächen in ihrer Winkelung und Kontinuität zusätzlich verändern, sodaß sich die Kautätigkeit noch weiter verschlechtert.

Die Erhaltung einer normalen Kaufunktion und guten reiterlichen Nutzbarkeit erfordert daher eine regelmässige Kontrolle (mindestens einmal jährlich, bei Pferden mit Gebissabweichungen entsprechend häufiger) und einer entsprechenden Korrektur durch Zähneraspeln.

Gerade auch bei jungen Pferden ist die Zahnkontrolle wegen des erfolgten Milchzahnwechsels und den damit verbundenen Umbauprozessen wichtig und eine Entfernung der dabei vermehrt auftretenden Haken für ein komplikationsloses Anreiten dringend zu empfehlen.

Bei alten Pferden ist der Gebisszustand einer der wichtigsten lebenszeitbegrenzenden Faktoren. Eine regelmässige Gebisssanierung begünstigt eine gute Verwertung des Futters und somit eine lange Gesunderhaltung des Pferdes.

Um die Verletzungsgefahr für das Pferd, aber auch für den Halter und den behandelnden Tierarzt zu minimieren, wird das Zähneraspeln i.d.R. unter Sedierung (=medikamentelle Ruhigstellung) durchgeführt.

Nach Einsetzen eines Maulspreitzers werden die Zahnreihen durch Abtasten und ggf. unter Sichtkontrolle untersucht, die erforderlichen Massnahmen festgelegt und die entsprechende Korrektur durchgeführt.

Dr. Friedemann Reichert